Marie Meierhofer Institut für das Kind

Aktuelle Projekte

Lebenswelten kleiner Kinder im Kanton Zürich (2011-2014)

Das geplante Projekt verfolgt im skizzierten Kontext zwei Ziele: Auf der Grundlage theoriebasierter Gütekriterien für kindergerechte Lebensräume sollen zum einen die Lebenswelten von Vorschulkindern in ausgewählten Gemeinden des Kantons Zürich erfasst und analysiert werden. Zum anderen sollen Indikatoren für das „Wohlbefinden“ (Lebensqualität) von Kindern in ihren Lebenswelten (die Familie, die Krippe, die Transportmittel, die Gemeinde etc.) herausgearbeitet werden – und zwar sowohl aus objektiver Sicht als auch aus subjektiver Sicht der betroffenen Kinder selber.

Die Lebensbedingungen der heutigen Kinder und Jugendlichen haben sich im Vergleich zu früheren Generationen schleichend gewandelt. Soziostrukturelle Bedingungen wie der demografische und familienstrukturelle Wandel zählen ebenso dazu wie einschneidende räumliche und zeitliche Veränderungen. Städte- und raumplanerische Entwicklungen gehen heute in Richtung einer zunehmenden Zersiedelung oder aber Verdichtung von Wohnräumen. Dies bringt eine Verinselung und gleichzeitig eine erhöhte Komplexität von Lebenswelten mit sich. Beides führt zu veränderten Ansprüchen an die Mobilität und die Flexibilität der Bewohnerinnen und Bewohner. Diese Kennzeichen einer mobilen Gesellschaft haben einen dramatischen Einfluss auf die Lebensbedingungen von Kindern: Zum einen werden ihre Aktions- und Bewegungsräume stark eingegrenzt und sie finden kaum mehr Zugang zu natürlichen Spielräumen. Zum andern sind bereits kleine Kinder einer Beschleunigung ihrer Lebensrhythmen unterworfen und zu erhöhter Mobilität gezwungen. Eine spürbare Folge davon ist die Segregation der kindlichen Lebenswelt in zeiträumliche Alltagsausschnitte. Das Entdecken des «kindlichen Rund-um-sich-selbst» (Benke 2005, 3) und die eigeninitiierte Raumaneignung sind dadurch stark beschnitten. Entsprechend kann der heutige Kinderalltag als «Zusammenhang von gut organisierten Handlungsabläufen» (Peek 1995, 14) umschrieben werden, der sich in wechselnde Kontexten vollzieht. Welche Folgen die veränderten Lebensbedingungen auf die Entwicklung von Kindern haben wird, ist noch nicht absehbar, da hierzu kaum fundierte Erkenntnisse vorliegen. Fachleute warnen jedoch davor, dass sich die Zersplitterung der Lebenswelten und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit negativ auf die soziale Integration, die psychomotorische Entwicklung und auch die Gesundheit (z.B. Übergewicht) auswirken können.

Das Projekt wird in vier Etappen gegliedert:
Projektteil A: Festlegen von theorie- und erkenntnisbasierten Gütekriterien für entwicklungsfördernde und kindergerechte Lebensräume.

Projektteil B: Erstellen von Profilen zur Beschaffenheit von urbanen und ländlichen Lebenswelten von Kindern zwischen 3 und 6 Jahren in ausgewählten Gemeinden im Kanton Zürich.

Projektteil C: Herausarbeiten von Indikatoren für das «Wohlbefinden» (Lebensqualität) von Kindern in ihren Lebenswelten (die Familie, die Krippe, die Transportmittel, die Stadt...) aus der subjektiven Sicht von Betroffenen (in Ergänzung zu den objektiven Kriterien). Damit einhergehend: Entwicklung von Methoden und Evaluationsinstrumenten für die Zusammenarbeit mit den Kindern.

Projektteil D: Aufbereitung und Integration der im Projektverlauf gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse.

Die Erkenntnisse und Materialien der geplanten Untersuchung sollen zum einen für Fachleute und Entscheidungsträger/-innen in den Bereichen Raumplanung, Stadt- und Quartierentwicklung, Kinder- und Familienhilfe sowie für die Ausbildung von Fachpersonen kontinuierlich nutzbar gemacht werden. Zum anderen sollen sie eine breite Öffentlichkeit für die Bedeutung und den Einfluss der räumlich-zeitlichen und sozialen Ausgestaltung von Lebenswelt auf die Lebensqualität, das Wohlbefinden und die Gesundheit von kleinen Kindern sensibilisieren.

Laufzeit:
2011 – 2014

Projektleitung:
Dr. phil. Franziska Meyer

Entwicklung eines Orientierungsrahmens für frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung in der Schweiz (2011-2012)

Im Auftrag des Netzwerk Kinderbetreuung Schweiz und der Schweizerischen UNESCO-Kommission entwickelt das Marie Meierhofer Institut für das Kind einen Vorschlag für einen Orientierungsrahmen für frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung in der Schweiz. Der Orientierungsrahmen soll die Diskussion um die erforderliche Qualität von frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung in der Schweiz weiter voranbringen sowie die Verständigung über relevante Fragen auf allen Ebenen erleichtern. Die Entwicklung des Orientierungsrahmens basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie einer schweizweiten Delphi-Expertenbefragung.

Die Erarbeitung des Orientierungsrahmens stützt sich auf folgende Quellen:

  • Auf die im Auftrag der Schweizerischen UNESCO-Kommission im Jahr 2009 erarbeiteten Grundlagenstudie zur frühkindlichen Bildung in der Schweiz. Die Studie stellte grosse Lücken bei der Sicherung der pädagogischen Qualität von familienergänzenden Bildungs- und Betreuungsangeboten fest.
  • Auf das Grundlagenpapier, das vom Netzwerk Kinderbetreuung Schweiz zu den wissenschaftlichen Ausgangslagen und Trends von internationalen Bildungsplänen im Frühbereich erarbeitet
    und im Jahr 2010 veröffentlicht worden ist.
  • Auf eine im Sommer 2011 vom Marie Meierhofer Institut für das Kind eigens als Grundlage für die Erarbeitung des Orientierungsrahmens durchgeführten Delphi-Expertenbefragung mit VertreterInnen aus Wissenschaft, Praxis, Ausbildung, Verwaltung und Politik.

Laufzeit: 2011 – 2012

Projektleitung:
Dr. phil. Heidi Simoni
Dipl.-Päd. Corina Wustmann Seiler

Mitarbeiterinnen:
Noëmi Eggenberger, M.Sc.

Weitere Informationen:
Netzwerk Kinderbetreuung Schweiz
Schweizerische UNESCO-Kommission

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Indizierte Prävention für von häuslicher Gewalt betroffene Kinder: Evaluation der beiden Projekte KidsCare und KidsPunkt (2010-2012)

Im Kanton Zürich sind mit KidsPunkt (Winterthur) und KidsCare (Stadtzürcher Kreise 6 und 11 sowie Horgen) zwei spezifische Angebote zur Beratung und Begleitung der von häuslicher Gewalt betroffenen Kinder und Jugendlichen geschaffen worden.
Das Marie Meierhofer Institut für das Kind wurde vom Amt für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zürich mit der Evaluation der beiden Pilotprojekte beauftragt. Diese soll zum einen eine ausgewertete Dokumentation der Arbeit von KidsCare und KidsPunkt liefern und zum anderen Folgerungen für deren Weiterentwicklung enthalten.

Das Miterleben von häuslicher Gewalt stellt für Kinder und Jugendliche eine erhebliche Belastung dar, welche traumatisierende Effekte haben und das Kind in seiner gesamten Entwicklung längerfristig beeinträchtigen kann. Nach einem Vorfall von häuslicher Gewalt, der durch einen GSG-Einsatz (Polizeieinsatz mit Anordnung von Schutzmassnahmen nach dem Gewaltschutzgesetz) oder anderweitig bekannt geworden ist, erhalten die Kinder und Jugendlichen durch KidsPunkt und KidsCare zeitnah Unterstützung und Beratung durch eine Fachperson.

Für die wissenschaftliche Begleitung der Projekte wird ein prozessbezogener Arbeitsansatz gewählt, welcher Rückmeldungen an die Akteure sowie das Einspeisen von Zwischenergebnissen in den Arbeitsprozess beinhaltet (formative Elemente der Evaluation). Auf einer summativen Ebene werden die Arbeit von KidsCare und KidsPunkt dokumentiert, die erreichte Zielgruppe beschrieben und Fragestellungen hinsichtlich konzeptueller Aspekte und der Vernetzung der Angebote mit anderen Fachstellen und Behörden analysiert. Ein weiterer zu untersuchender inhaltlicher Bereich betrifft die Erreichbarkeit, die Zufriedenheit und das Befinden der Zielgruppe.

Für die Erhebung und Auswertung der Daten kommen einerseits quantitative, andererseits qualitative Forschungsmethoden zum Einsatz. Einen Eckpfeiler der Datenerhebung bilden standardisierte Dokumentations- und Fragebögen, welche durch die Projektstandorte eingesetzt werden. Einzelne Kinder/Jugendliche und Mütter werden, ergänzend zu einer Fragebogen-Erhebung, im Rahmen von problemfokussierten Interviews zur Zufriedenheit mit der Intervention befragt. Die Befindlichkeit der Kinder und Jugendlichen wird zu zwei Zeitpunkten mit einem standardisierten Fragebogeninstrument gemessen; diese Prä-Post-Messung erlaubt Aussagen zu den Effekten der Angebote. Des Weiteren werden im Sinne der Validierung der Angebote mit verschiedenen Fachpersonen im Feld Experteninterviews durchgeführt.

Laufzeit:
2010 – 2012

Projektleitung:
Dr. phil. Maria Teresa Diez Grieser
Dr. phil. Heidi Simoni

Wissenschaftliche Mitarbeiterin:
lic. phil. Corinne Dreifuss

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Bildungs- und Resilienzförderung im Frühbereich (2009-2011)

Nähere Informationen zum Projekt finden Sie unter «Bildungsprojekt»

Pilotprojekt Tapis: Begegnungsraum für Sexarbeiterinnen mit Kindern im Vorschulalter - Angebotsentwicklung und wissenschaftliche Begleitung durch das MMI (2011-2012)

Tapis ist ein Begegnungsraum für Sexarbeiterinnen mit Kindern im Vorschulalter, der im Herbst 2011 vom Marie Meierhofer Institut für das Kind in Zusammenarbeit mit der Zürcher Stadtmission in der Beratungsstelle Isla Victoria eröffnet worden ist.

Laufzeit: 2011 – 2012

Projektleitung:
Dr. phil. Maria Teresa Diez Grieser
Dr. phil. Heidi Simoni

Mitarbeiterinnen: lic. phil. Sabine Brunner, N.N.

Die Ziele dieses präventiven Angebots bestehen darin, den Müttern Wissen betreffend Mutterschaft zu vermitteln bzw. sie über vorhandene Angebote zu informieren. Des Weiteren sollen gelingende Interaktionen zwischen Müttern und Kindern sowie zwischen den Kindern untereinander gefördert werden. Die Mütter sollen sich untereinander und mit den anwesenden Fachpersonen austauschen können. Das Pilotprojekt bietet ergänzend zum bestehenden Angebot der Anlauf- und Beratungsstellen für Sexarbeiterinnen in Zürich einen gemeinsamen Raum für Mütter und ihre Kinder. Die Begleitforschung soll die Umsetzbarkeit des Pilotprojekts Tapis sowie die Effekte der Intervention auf verschiedenen Ebenen überprüfen.

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Wissenschaftliche Begleitung des Projekts AMIE: Berufseinstieg für junge Mütter (2012-2013)

Der Gewerbeverband Basel-Stadt bietet seit 2007 sogenannte AMIE-Kurse für junge Mütter auf dem Weg zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit an.

Laufzeit: 2012 – 2013

Projektleitung:
Dr. phil. Maria Teresa Diez Grieser
Dr. phil. Heidi Simoni

Die Ausgangslage für das Projekt stellt das Wissen dar, dass junge Frauen, die noch vor Abschluss einer Erstausbildung schwanger geworden sind, ein erhebliches Risiko haben, ökonomisch abhängig zu bleiben und insbesondere kaum Chancen haben, eine sozial eigenständige Biografie aufzubauen. Zusätzlich sind sie als Alleinerziehende gehäuft psychosozialen Belastungen ausgesetzt, die sich auch auf die Entwicklung der Kinder auswirken können.
AMIE ist vor diesem Hintergrund ein Projekt, das mit einem umfassenden Angebot die Mütter beim Einstieg in den Arbeitsmarkt begleitet und sie dabei sowohl bezüglich ihres Wissens als auch ihrer sozialen Kompetenzen unterstützt und stärkt. Im Rahmen eines Mutter-Kind Vormittags werden die mütterlichen Elternkompetenzen, das Verständnis für kindliche Bedürfnisse und Gefühle sowie die Beziehung zum Kind bearbeitet und unterstützt.
Die wissenschaftliche Begleitung der Umsetzung des Projekts AMIE des Gewerbeverbandes Basel-Stadt durch das Marie Meierhofer Institut für das Kind beginnt im Januar 2012 und endet im Sommer 2013. Dabei wird einerseits ein prozessbezogener Arbeitsansatz gewählt, welcher Rückmeldungen an das Projekt sowie das Einspeisen von Zwischenergebnissen in den Arbeitsprozess beinhaltet (formative Elemente der Evaluation). Andererseits werden mit verschiedenen Erhebungsinstrumenten quantitative Daten erhoben, die im summativen Teil der Evaluation die Basis für die Analyse der Qualität und Wirksamkeit des Projekts darstellen. Im abschliessenden wissenschaftlichen Bericht werden die Ergebnisse der verschiedenen untersuchten inhaltlichen Bereiche dargestellt.

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Projekt Mädchenheim Hogar Maria Ayuda in Lontué, Chile (2012-2013)

Professionalisierung und Qualitätssicherung bezüglich psychologischer und sozialpädagogischer Aspekte in Kinderheimen in Entwicklungs- und Schwellenländern

Laufzeit:
2012 – 2013

Projektleitung:
Dr. phil. Maria Teresa Diez Grieser
Jeannine Schälin, dipl. Sozialpädagogin

Das Hogar Maria Ayuda ist ein Mädchenheim in Chile, das aktuell ca. 27 Mädchen zwischen 3 und 14 Jahren betreut. Die Mädchen sind Waisen oder haben auf der Strasse gelebt. Es wird angenommen, dass viele dieser Mädchen traumatisierende Erfahrungen gemacht haben und dass psychopathologische Störungen bestehen, die behandlungsbedürftig sind. In Zusammenarbeit mit dem Kinderspital und dem Psychologischen Institut der Universität Zürich (Prof. Dr. phil. Markus Landolt) werden im Januar/Februar 2012 Daten zur Biografie und zur aktuellen Situation sowie zur körperlichen und psychischen Befindlichkeit der Mädchen in Lontué erhoben. Zusätzlich werden unter der Federführung des MMI Daten/Informationen gesammelt, die verschiedene Qualitätsdimensionen der Institution und der Betreuung betreffen. Die Datenerhebung erfolgt mittels Leitfadeninterviews und Beobachtungen. Die Leitfadeninterviews werden einerseits mit der Heimleitung, andererseits mit den Betreuerinnen (als Gruppeninterview) durchgeführt. Des Weiteren werden mit einem vom MMI erstellten Instrument verschiedene relevante Merkmale der Orientierungsqualität, der Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen, der Prozessqualität und der Strukturqualität erhoben. Nach der Auswertung der Daten wird das MMI darauf aufbauend einen kurzen Bericht erstellen und Empfehlungen bezüglich der Professionalisierung und der Qualitätssicherung niederschwellig geführter Kinderheime in Entwicklungs- und Schwellenländern abgeben.